Wo der Mumusaft herkommt und was er will

Auf Anfrage hin, meine biologischen Fachkenntnisse zur wissenschaftlichen Recherche weiblicher Ejakulation anzuwenden und die daraus resultierenden Erkenntnisse einer breiteren Leserinnenschaft zugänglich zu machen, folgt nun ein Artikel über die Zusammensetzung und hypothetische Funktion des weiblichen Ejakulats aka Mumusaftes.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass weiterhin eine große Kontroverse über die Physiologie der weiblichen Ejakulation besteht, die meist aus unterschiedlichen Definitionen und wenig aussagekräftiger Studien resultiert. Auch trägt eine fehlende Aufklärung in der Öffentlichkeit zu einer gewissen Unsicherheit über die Existenz des Mumusaftes bei. Eine Verallgemeinerung individueller Forschungsergebnisse stellt sich daher als schwierig heraus, zumal diese ohnehin spärlich ausfallen. Es existiert lediglich eine Handvoll verschiedener peer-reviewed Journals (Wissenschaftsmagazine, deren Forschungsartikel vorher von anonymen Wissenschaftlern vom Fach gegengelesen werden), wie das Journal of Sexual Medicine, welche sich u.a. mit diesem Thema befassen.

Allgemeiner Konsens herrscht jedoch über die unbestrittene Existenz des weiblichen Ejakulats und seiner Unterscheidung vom gewöhnlichen Urin sowie dem bei sexueller Erregung produzierten Vaginalsekrets. Ebenfalls ist sich die Wissenschaft einig, dass der Mumusaft vermutlich in der sogenannten paraurethralen Drüse, ugs. auch „weibliche Prostata“ genannt, produziert und u.a. über die Harnröhre während des Orgasmus ausgeschieden wird. Dabei scheiden sich die Geister über die Häufigkeit einer Ejakulation. Studien liefern Ergebnisse, die im Bereich von 10-69% Frauen liegen, die über eine erfahrene Ejakulation berichtet haben. Eine sehr hohe Varianz, die mutmaßlich durch die o.g. fehlende Aufklärung maßgeblich beeinflusst wird. Andere Experten behaupten hingegen, dass die weibliche Ejakulation bei allen Frauen auftrete und für gewöhnlich retrograd verlaufe, d.h. „nach innen verlaufend“ und somit kaum sichtbar.

Die aktuellste, im Journal of Sexual Medicine, veröffentlichte Studie datiert aus dem Jahr 2007 und untersucht darin u.a. die Zusammensetzung des weiblichen Ejakulats [1]. Für die Untersuchung wurde dabei der Mumusaft von zwei Frauen auf bestimmte biochemische Stoffe analysiert. Bei den Versuchspersonen handelte es sich um eine 44- und eine 45-jährige Frau, deren Ejakulat unmittelbar nach einem herbeigeruften Orgasmus gesammelt wurde. Zur Kontrolle dienten Urinproben, die vor der sexuellen Erregung genommen wurden und die biochemischen Daten von männlichen Spermaproben. Die biochemische Analyse ergab in beiden Ejakulatsproben einen hohen Anteil am sogenannten Prostataspezifischem Antigen (PSA), welcher auch im männlichen Ejakulat, gewöhnlich in noch höherer Menge vorzufinden ist. In den Urinproben wurden hingegen nur sehr geringe Spuren von PSA ermittelt, was dafür spricht, dass PSA spezifisch für die beim Orgasmus ausgeschiedene Flüssigkeit ist.

PSA ist ein bestimmtes Protein, welches ursprünglich im männlichen Prostatasekret identifiziert wurde und darin zur Mobilität von Spermien beiträgt, indem es das männliche Ejakulat stärker verflüssigt. Hierbei ist anzumerken, dass das männliche Ejakulat zu 10-30% aus Prostatasekret besteht, welches sich vor dem Samenerguss mit dem Sperma vermischt.
Da das weibliche Ejakulat aus der „weiblichen Prostata“ somit in seiner Zusammensetzung dem männlichen Prostatasekret ähnelt, deutet dies auf eine mögliche evolutionär bedingte Funktion hin, welche das Überleben von Spermien in der Vagina begünstigt. Eine weitere Rolle könnte dabei der pH-Wert des Prostatasekrets spielen, der mit pH 6.0-6.5 über dem sauren pH 4-4.5 Wert der Vagina liegt und damit ein optimales Milieu für Spermien bereitstellt.
Nichtstdestotrotz darf man nicht die Relevanz der Studie außer Acht lassen, für die lediglich zwei Frauen vor ihrer Menopause untersucht wurden. Wer sich auch immer dazu entschließt, die weibliche Ejakulation zu erforschen, wird es demnach mit sehr wenig wissenschaftlicher Konkurrenz zu tun haben. Sofern man die nötigen Forschungsmittel (und freiwilligen Versuchsfrauen) akquiriert, wird man schnell zu einer langen Publikationsliste kommen…

[1] Wimpissinger F, Stifter K, Grin W, Stackl W (2007) The female prostate revisited: perineal ultrasound and biochemical studies of female ejaculate. J Sex Med 4 (5): 1388–93

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2 Antworten zu Wo der Mumusaft herkommt und was er will

  1. lorapops schreibt:

    huh, wieso „Leserschaft“?! Es haben doch wohl in erster Linie Frauen verdient mehr über die Funktionsweisen ihrer Körper zu erfahren bzw. Erklärungen dafür zu haben!

    und ob „Mumusaft“ ein adäquater Begriff lass ich mal offen; ich würd’s anders fassen:

    GRRRLS, LET’S JIZZ!!

  2. pennapops schreibt:

    Achja, wenn eine Genderisierung jemals vonnöten war, dann in diesem Fall…nachträglich zur Leserinnenschaft geändert.
    bezgl. des Mumusaftes:
    Bereits in antiken Schriften fanden WissenschaftlerInnen Hinweise über die Beschreibung des Mumusaftes:
    Die ChinesInnen verbanden dies mit ihrem Yin und Yang Konzept…
    Die InderInnen hielten den weiblichen „smooth love juice“ bereits im 7. Jahrhundert in einem Gedicht fest:

    frisson of excitement apprehended her torso,
    smooth love juice overflowed abundantly the garment,
    right there where her girdle was located;
    “Don’t!, don’t!, wrecker of my pride, back off, this is
    enough for me”
    so she moaned, to obtain mercy. Did she sleep, did she
    die then?
    Sink into my heart
    [“Amarushataka”, stave 35]

    Dann doch lieber Mumukäse?!

    Korda, J. B., Goldstein, S. W., Sommer, B.A. and F. (2010) The History of Female Ejaculationj. J Sex Med 2010;7:1965–1975

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