WM’11 Halbfinale und Platz 3

Japan vs. Schweden und Frankreich vs. USA – Europa gegen den Rest der Welt (zwei Fünftel zumindest). Obwohl die WM in Schland stattfindet, hatten die europäischen Damenschaften diesmal das Nachsehen (mal nicht geschlechtsübergreifend).

Die konterstarken und effektiven Schwedinnen hatten gegen Japan, trotz der 1:0 Führung, letzten Endes nicht den Hauch einer Chance gegen laufstarke und unglaublich passsichere Japanerinnen. Erstaunlich, dass zwei der drei Tore durch Japan nach einer Flanke fielen (von wegen kleine Japanerinnen), bei der die schwedische Torfrau Lindahl aber auch mehr als schlecht aussah und nach dem Spiel zurecht in die Kritik geriet. (Man hätte stattdessen auch ein IKEA Billy Regal ins Tor stellen können – das ist wenigstens größer als die Torfrau und wäre dank der gleichen Nationalität auch spielberechtigt gewesen.) An ihr lags am Ende aber nicht, als viel mehr an den gefühlten 90% Ballbesitz seitens Japan, die mit ihren endlosen und gekonnten Ballstaffeten die armen Schwedinnen nie an den Ball kommen ließen (Sie müssen sich wie die Säue in der Mitte gefühlt haben). Man merkte schon nach der 1. HZ, dass es sich die Japanerinnen wohl nicht nehmen lassen würden. So passte auch das wunderbare Tor zum 3:1 perfekt ins Bild, als die zweifache Torschützin Kawasumi mit einem schönen Schlenzer aus über 30m ins leere Tor zum Endstand traf. (Wieso war das Tor leer? Richtig – weil die schwedische Torfrau wieder aus ihrem Tor irrte – das wäre Billy nicht passiert.) So zog Japan souverän ins Finale und den Schwedinnen war nun nicht mehr nach tanzen zumute.

Im anderen Halbfinale, ging es, obwohl das Ergebnis das gleiche war, denkbar knapper zu. Spielstarke Französinnen gegen körperstarke Amaizonen, die zwar früh in Führung gingen, aber danach immer wieder in gefährliche Situationen gerieten. Wie so oft bei dieser WM kombinierten sich die Französinnen schön bis in den 16er hinein, nur um dann aber die Fassung, Abgeklärtheit, Kaltschnäuzigkeit oder was auch immer zu verlieren. Symptomatisch, dass der Ausgleich mehr oder weniger das Produkt einer mißglückten Flanke war. Schade, so hatte Frankreich Olympique Lyon nur Wochen zuvor die UEFA Champions-League gegen Turbine Potsdam gewonnen und musste sich nun (in Frankreich-Trikots) im Halbfinale der WM geschlagen geben. Das entscheidende fehlende Puzzlestück im Sturm war wohl die Lyon-Stürmerin Lotta Schelin, die leider das Schweden-Trikot anziehen musste. Wer seine Chancen nicht nutzt wird am Ende bestraft – so geschehen in der Schlussphase als die Amis den Sack zu machten und (mal wieder, spielerisch gesehen, unverdient) mit 3:1 ins Finale zogen.

So lautet das WM-Finale 20elf: Japan vs. USA. Gegensätzlicher könnten beide Damenschaften nicht sein. Das eine Extrem gegen das Andere. Technik gegen Kraft. Passen gegen Schießen. Laufen gegen Springen. Klein gegen Groß. Verdient-im-Finale gegen Mit-viel-Glück-im-Finale. Asiatische Bescheidenheit gegen Amerikanische Arroganz. Sushi gegen McDonald’s etc…

Davor jedoch das kleine Finale: Frankreich gegen Schweden. Das Duell der Verlierinnen. Über die Daseinsberechtigung dritter Plätze bei Weltmeisterschaften lässt sich streiten. Dieses Spiel brachte auf jeden Fall ein Pro-Argument für diese so oft ungeliebten Spiele. Wenn es um nichts mehr geht, spielen alle wie befreit auf. Beide Damenschaften lieferten einen ansehnlichen Sommerkick, den Lotta Schelin mit dem 0:1 eröffnete und die bereits in der 1. HZ genug Chancen hatte um das Spiel vorzeitig zu entscheiden, während die Französinnen in ihrer typischen Manier schönen ineffektiven Fußball boten. Zudem mussten auch noch ausgerechnet Necib, die Top-Spielerin, und die französische Torfrau verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Es sah nicht mehr so aus als würde noch großartig was passieren als es mit 0:1 in die Kabine ging.

Doch was wäre der Fußball ohne seine dramatischen Wendungen? Innerhalb von 12 Minuten schien sich das Blatt komplett zugunsten Frankreichs zu drehen. Erst der Ausgleich aus dem Nichts in der 56. Minute und dann, 12 Minuten später, eine völlig unnötige Tätlichkeit von Josefine Öqvist als sie die französische Kapitänin Bompastor an der Torauslinie, beide am Boden liegend, in die Magengegend trat und dafür die rote Karte kassierte. Wer hätte das von ihr erwartet? Die sonst so liebe und offenherzige Josefine, die immerhin den einzigen Trikottausch dieser WM lieferte. Erstaunlicherweise erntete Bompastor von nun an bei jedem Ballkontakt auch noch die Pfiffe der Fans im Stadion. Als aber alles gegen die Schwedinnen sprach, machte die eingewechselte Marie Hammarström ihrem Namen alle Ehre, als sie mit dem schönsten Tor dieser WM, den Ball erst über eine Französin hob, ihn sich selbst vorlag und ihn dann mit links in den Winkel hämmerte. Was für ein Hammar(ström)!
Nach dem 2:1 und Platz 3 war den Schwedinnen nun also doch wieder nach tanzen zumute, während sich die Französinnen trotz einiger Tränen zurecht über eine gute WM freuten. Beide Damenschaften dürfen zufrieden in die Heimat fahren.

Dieser Beitrag wurde unter deviantstuff abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu WM’11 Halbfinale und Platz 3

  1. lorapops schreibt:

    urgh – Amis ey, ich hoffe die Japanerinnen geben nicht eine Sekunde den Ball ab – wanna see Hope Solo cry like a … argh don’t like her.
    wenn man sich die Tätlichkeit von Öqvist genauer ansieht, tritt die Französin zuerst (nicht so deutlich, aber schon) und schreit dann viel zu übertrieben über Öqvists Zurücktreten.. pft
    L-8-otta Schelin rocks.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s