WM’11 – Viertelfinale Teil 1

arme popp
Die WM ist vorbei. Für die deutschen Damen zumindest – und das schon im Viertelfinale. „3. Plätze sind was für Männer!“ Und welchen Platz gibt es für die Frauen? Zumindest der Platz in meinem Herzen ist ihnen sicher. Doch auch Schalke war schonmal Meister der Herzen – kein Titel mit dem man sich gerne schmückt. Was das wohl für die weitere WM und die Zukunft des FF’s in Schland bedeuten wird? Ein Dämpfer für den Feminismus? Die Bestätigung aller FF-KritikerInnen? Die drohende Insolvenz deutscher Fan-Artikel HerstellerInnen? Ausgerechnet im eigenen Land scheitert Schland am WM-Hattrick – doch woran lag es?

War die ungewohnte Kulisse in vollen Stadien am Ende doch zu einschüchternd? Der Druck gleichzeitig die WM und das Volk zu gewinnen zu groß? So dürften zumindest die Antworten vieler Eventfans ausfallen, für die die WM-Party nun abrupt zu Ende ist. Doch wer Erfahrung mit Fußball außerhalb von WM und EM besitzt wird an diesem Abend anerkennen müssen, dass die sportliche Tagesform einiger Spielerinnen einfach nicht ausreichte um gegen tapfer kämpfende Japanerinnen zu bestehen.

Gleich zu Anfang der Partie der erste Rückschlag: Kuligs verletzungsbedingte Auswechslung mit Verdacht auf Kreuzbandriss riss das Prunkstück des deutschen Mittelfelds auseinander und setzte bereits hier den Auftakt eines tränenreichen Abends. Laudehr und Bresonik werden wohl nie wieder ein 6er-Duo bilden. Unglücklicherweise war damits bereits ein Wechsel getätigt, was sich später rächen sollte. Die offensichtlich noch nicht ganz fitte Bresonik musste nämlich später wiederum Lena Goeßling weichen, womit zwei Wechsel auf einer Position sämtliche Möglichkeiten zunichte machten im Verlauf des Spiels die Offensive zu beleben. Denn was der Sturm mit Grings und Okoyino da Mbabi bot, war eines Halbfinalisten unwürdig. Besonders Celia Okoyino da Mbabi, die u.a. eine Großchance in der 1. HZ verstopelterte, bot eine der schlechtesten Leistungen dieser WM. Überhaupt, was hatte sie bisher bei dieser WM geleistet? Nach dem zugegebenermaßen starken Eröffnungsspiel baute sie seitdem stark ab und überdeckte ihre schwache Leistung scheinbar erfolgreich mit ihrer einzig guten Aktion gegen Frankreich, die gleich zum Tor führte. Eine Birgit Prinz hätte nicht schlechter spielen können. Weshalb am Ende auch noch ausgerechnet Grings anstatt Okoyino da Mbabi für Alexandra Popp weichen musste wird wohl ein Geheimnis von Silvia Neid bleiben.

Doch was blieb ihr bei einem noch ausstehenden Wechsel denn noch übrig? Wie wäre das Spiel verlaufen hätte sich Kulig nicht verletzt und damit eventl. eine Einwechslung von Lira Bajramaj ermöglicht – der einzigen Spielerin die zu einem Überraschungsmoment in der Lage wäre. Was die deutsche Damenschaft während des Spiels bot war nämlich alles andere als überraschend für die Japanerinnen. Ihre körperlichen Defizite gegenüber den deutschen Spielerinnen machten sie durch ein überragendes Stellungsspiel und hohe Laufbereitschaft wett. Dazu ihre geduldigen und technisch anspruchsvollen Pass-Staffeten im Mittelfeld, mit denen sie den Deutschen ein hohes Laufpensum abverlangten (Barcelona lässt grüßen). Sie verfolgten offensichtlich einen Plan der mit hohem Kampf und auch einer Portion Glück aufzugehen schien. 108 Minuten lauerten sie auf die eine Chance des Spiels und schlugen dann eiskalt zu. Die Starspielerin Sawa mit einem butterweichen Traumpass in den Lauf von Maruyama, die die 26.000 Zuschauer verstummen ließ. Das letzte Aufbäumen von Schland kam dann zu spät. Richtig gefährlich wurden sie aber auch in den letzten zehn Minuten der Verlängerung nicht. Einzig Melanie Behringer schien sich wirklich gegen die drohende Niederlage wehren zu wollen.

Es sollte heute abend einfach nicht sein. Nicht mehr und nicht weniger. Eine WM findet alle vier Jahre statt (Zugegeben, eine WM im eigenen Land erlebt man wohl nur einmal im Leben, aber dennoch). Der FF ist nicht gestorben. Der Feminismus hat keinen Dämpfer erlitten (Wehe, wenn Alice Schwarzer was zu meckern hat). Das Sommermärchen wird nicht zum Sommeralbtraum (Schade eigentlich, Grimm’s Märchen reichen mir nämlich). Wie der große Lukas Podolski nach der 0:2 Niederlage gegen Italien bei der letzten Heim-WM zusammenfasste: „So ist Fußball, manchmal gewinnt der Bessere.“ (In diesem Fall die Bessere). Einzig Schade, dass die große Birgit Prinz ihr internationales Karriereende von der Bank erleben musste. Sie hätte wahrlich einen besseren Abschied verdient – nicht zuletzt dank ihrer aufrichtigen Pressekonferenz, an der sich so manch anderer Capitano ein Beispiel nehmen könnte. Doch es tut nicht mehr weh. Und auch der Ton Steine Scherbenhaufen wird spätestens zum nächstens Junimond wieder aufgekehrt werden.

Tja, hätte Schland gegen Frankreich nicht so eine gute Leistung gezeigt, wäre alles vielleicht anders gelaufen. Die Französinnen stehen nämlich selber im Halbfinale nach einem glücklichen 5:4 nach 11m-Schießen gegen ein schwaches England. Ein Spiel was die Französinnen eigentlich nie und nimmer hätten so weit kommen lassen dürfen. Im Vergleich zu den Kick’n’Rush-Engländerinnen zeigten sie nämlich ansehnlichen Fußball und scheiterten lediglich an ihrer mangelhaften Chancenauswertung. Glücklicherweise kann England keine 11m schießen – geschlechtsübergreifend!

Nunja, der Topfavorit ist draußen. Nach dem Viertelfinale morgen zwischen USA und Brasilien wird eine weitere favorisierte Damenschaft rausfliegen – die Chance für eine Überraschung bei dieser WM. Werden wir zum ersten Mal einen Weltmeister außer USA, Deutschland und Norwegen erleben? Die Chancen stehen 3:1. Wen wird man jetzt die Daumen drücken? Den Japanerinnen wärs jedenfalls zu gönnen. Wer zehn Pässe hintereinander punktgenau und unfallfrei zu Stande bringt ist ein würdiger Weltmeister.

Tops:
Behringer: Fast sämtliche Offensivaktionen beinhalteten eine ihre guten Flanken. Leider fand sich keine Abnehmerin. Merke: mit Anlauf lässt sich mehr Druck hinter einen Kopfball bringen.

Flops:
Rest der Damenschaft: Okoyino da Mbabi hatte die größte Chance des Spiels kläglich verstolpert und sonst keinen Stich gegen die japanische Abwehr gemacht. Sie zur alleinigen Sündenziege zu machen wäre jedoch unangebracht. Außer Mel B. waren alles Schlampen!
Neid: Die deutsche Damenschaft wurde vor allem wegen ihrer starken Bank gefürchtet. Doch damit waren auf keinen Fall Bianca Schmidt und Lena Goeßling gemeint. Und auch eine Alexandra Popp kann in 18 Minuten nicht die Welt retten (jedenfalls NOCH nicht).

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