WM’11 Gruppe A – 3. Spieltag


(Foto via dpa)

Der Knoten ist geplatzt! Was musste man sich alles anhören die letzten Tage?
Nicht nur über die deutsche Damenschaft – allgemein litt die WM bisher unter relativ schlechtem Fußball und krassen Schiri-Fehlleistungen. Tonnen von Wasser regneten auf die Mühlen der FF-KritikerInnen. Sie alle fühlten sich bestätigt und so langsam gingen die Gegenargumente der BefürworterInnen aus. Dazu die elende Medienfokussierung auf Birgit Prinz und Lira Bajramaj. Spielen sie, spielen sie nicht? Der Glaube an die eigene Damenschaft schwand und so wurde Frankreich vor dem Spiel kurzerhand zum Favoriten erklärt. Besonders nach dem sie Kanada mit 4:0 nach Hause schickten, dessen wahre Stärke sich heute jedoch im Parallelspiel der Gruppe A offenbarte, als sie gegen Nigeria sang- und klanglos 0:1 verloren. Wie grausam der Fußball doch für manche sein kann – zumindest wenn man nicht Schland heißt, denn wie der weise Gary Lineker einst erkannte: „Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win.“ (Regardless of gender!). Und wie sie gewannen!

Das bisher beste Spiel dieser WM hatte alles zu bieten was man sich vom Fußball erhofft: Tore, mitreißende Aktionen, Kampf, Spannung, Dramatik, Karten, Emotionen, Jubel und vor allem, ein Happy End. Ein 4:2 mitten ins Gesicht der KritikerInnen. Dabei spielte Schland nichtmal in Bestbesetzung. Obwohl Neid endlich ein Einsehen mit Prinz hatte, und stattdessen Grings aufbot, musste sie jedoch auf die verletzte Behringer und die angeschlagene Bresonik verzichten. Bajramaj und Schmidt bekamen stattdessen ihre Chance. Zudem musste die gelb-gefährdete Kulig ihren Platz neben Laudehr an Goeßling überlassen.
Nach anfänglicher Nervosität übernahmen die Spielerinnen das Heft in die Hand und kamen durch einen Garefrekes-Kopfball nach schöner Flanke von Peter zum 1:0. Nur wenige Minuten später dann eine sensationelle Weltklasse-Leistung von Simone Laudehr: Erst zog sie mit einem unglaublich starken Übersteiger links an ihrer Gegenspielerin vorbei, um dann eine butterweiche Flanke auf Grings zu spielen, die nur noch ihren Kopf hinhalten musste und damit das 2:0 erzielte. Fußball in absoluter Perfektion – geschlechtsübergreifend. Kein Mensch auf der Welt hätte in dieser Situation besser spielen können. Und wer sonst außer Laudehr, die heimliche Chefin auf dem Platz?

Nach der Halbzeit wurde das Spiel ausgeglichener. Die Französinnen wollten sich nicht kampflos ergeben und zeigten sich bei Standards extrem stark. Beide Tore fielen durch Kopfbälle nach einer Ecke, bei der die deutsche Hintermannschaft und auch Angerer nicht besonders gut aussahen. Nichstdestotrotz bot die Abwehr eine starke Leistung und lies aus dem Spiel lediglich eine einzige Chance zu. Besonders Babett Peter ließ auf links nichts anbrennen und zeigte immer wieder gute Offensivaktionen. Dabei wurde sie oft von Bajramaj unterstützt, die eine engagierte Trotzreaktion gegen ihre KritikerInnen zeigte aber oft ohne Glück blieb und in einigen Szenen zu eigensinnig agierte. Immerhin holte sie den Elfmeter heraus und verursachte damit den Platzverweis der französischen Torfrau, der durchaus spielentscheidend war. Obwohl die Französinnen in Unterzahl ein Tor erzielten, kamen sie nicht mehr wirklich gefährlich nach vorne und so verwandelte Okoyino da Mbabi nach Popp-Flanke und Grings Kopfballverlängerung eiskalt zum 4:2 Endstand.

Die Spielerin des Abends aber ist zweifelsohne Inka Grings. Nicht nur ihre zwei Tore und ihre Vorlage zum 4:2, sondern insbesondere ihre Bissigkeit und Führungsstärke machten heute den Unterschied aus und ließen eine Birgit Prinz vergessen. Ob Prinz bei ihrer letzten WM nochmal wiederkommen wird ist sehr fraglich. Eine Einwechslung im Finale gegen Brasilien beim Stand von 5:0 wäre ihr aber zu gönnen. Doch bis dahin werden im Viertelfinale erstmal die Japanerin dran glauben müssen, die heute überraschend gegen physisch starke Engländerinnen 0:2 verloren.
So bleibt heute ein tolles Fußballspiel in Erinnerung, der auch von den Fans endlich gebührlich nach dem Spiel anerkannt und gefeiert wurde und bereits erahnen lässt, was bei einem WM-Sieg alles möglich wäre. Werden wir in Zukunft am Anfang der Sportschau etwa doch die 1. FF-Bundesliga anstatt der 3. Herren-Liga zu sehen bekommen?

Tops:
Grings: Wer war nochmal Birgit Prinz?
Peter: LinksverteidigerInnen sind rar gesät – nicht für Schland. (Auch hier: geschlechtsübergreifend!)
Neid: Nicht nur Prinz rausgenommen, sondern auch die gelb-gefährdeten Spielerinnen geschützt – alles richtig gemacht.
Schiri: Ob die FIFA da nochmal ein Wörtchen mit den Schiris gesprochen hat? Jedenfalls war heute nichts an der Schirileistung auszusetzen – ganz im Gegenteil.

Flops:
Abwehr bei Standards: Natürlich sind die Französinnen extrem stark bei Standards, doch beide Tore hätte man durch besseres Stellungsspiel verhindern können.

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Eine Antwort zu WM’11 Gruppe A – 3. Spieltag

  1. Jan schreibt:

    Welche ein Artikel! Ich bin schwer beeindruckt, hast du schonmal über eine Karriere als Reporter nachgedacht?

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