WM’11 Gruppe A – 2. Spieltag


(Foto via dpa)

Torfestivals und Emotionen pur – Die WM hat endlich richtig begonnen. Erst das überraschende 4:0 der Französinnen über Kanada und dann, ja was kam dann? So einiges! Doch Schritt für Schritt..

Der Abend begann bereits verheißungsvoll mit einer sechsköpfigen Männerrunde im hippen Köln-Ehrenfeld. Zwischen Moschee, Kirche und Hipsta-Locations (ja, ALDI Süd gehört dazu) wurde sich zugegebenermaßen sexistisch auf das bevorstehende Spiel eingestimmt. (Der spontanen Dynamik einer Männerrunde lässt sich schwer etwas entgegensetzen.) Als Nicht-Journalist fehlte mir der Notizblock bzw. das Diktiergerät um in den Raum geworfene Floskeln festzuhalten. Somit kann ich hier lediglich aus meinem Gedächtnis rekonstruieren (wahrscheinlich besser so), welches zudem auch noch durch Alkohol und bewusstseinserweiternde Mittel in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wurde. So bleibt mir einzig in Erinnerung, dass während der Nationalhymne Kulig und Laudehr für nicht schlecht befunden wurden, wohingegegen Prinz dem Vergleich mit einem Pferd standhalten musste und Behringer jemanden an eine Astrid-Lindgren-Figur erinnerte.

Der nervöse Beginn der Deutschen sorgte nicht gerade für Euphorie sowohl im Stadion, in der Männerrunde, als auch in meiner virtuellen Live-Schalte via iPhone mit lorapops. Dass sich die Nigerianierinnen derart wehren würden hatten die Eventfans im Stadion wohl nicht erwartet. So plätscherte die 1. HZ vor sich hin ohne große nennenswerte Offensivaktionen auf beiden Seiten, doch dafür mit vielen Nickligkeiten auf den Platz. In Erinnerung bleiben die übertriebene Härte seitens Nigerias, die u.a. Behringer eine verletzungsbedingte Auswechslung bescherte, eine zu Unrecht abgepfiffene Abseitsstellung von Okoyino da Mbabi und eine grottenschlechte Schiri-Leistung, die jedoch auch nicht viel schlechter als die der deutschen Damenschaft war. So überraschte es nicht besonders, dass die Damen zur HZ mit Pfiffen in die Kabine begleitet wurden.

Moment, Pfiffe bei einem Spiel der Frauen?! Ein Novum! Und damit ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung des FF’s. Denn endlich haben es die Damen geschafft, die Emotionen der Eventfans hervorzulocken. Endlich keine perfekt choreografierten La-Ola-Wellen mehr, um sich selbst und die große instrumentalisierte WM-Show zu feiern. Endlich kein monotones Einheitsgekreische der Zuschauer (Nur Vuvuzelas sind schlimmer). Und, siehe da, plötzlich auch keine Sexismen mehr in der Männerrunde, stattdessen emotionale Ausbrüche nach gelungenen und nicht gelungenen Aktionen. (Wobei man die nigerianische Spielerin Osinachi Ohale als „dumme Schl*mpe“ zu bezeichnen, nachdem sie meine geliebte Alex Popp von hinten ohne jegliche Ballnähe umgesenst hat und lediglich mit Gelb verwarnt wurde, womöglich doch als sexistisch interpretieren könnte.)

Jedenfalls, der von mir herbeigesehnte große Sport war endlich da. Fußball ist eben nicht nur Champions-League-Xavi-Iniesta-Messi-Xavi-Iniesta-Messi-Tiki-Taka-Rumgeschiebe bei dem sich die Kommentatoren die Hose aufknöpfen – sondern auch mal erbitterter Kampf um jeden Zentimeter. Bei dermaßen viel Frust (v.a. seitens lorapops, der zeitweise in übelsten Beschimpfungen beiderseits verarbeitet wurde), war die Freude in der 54. Minute umso größer, als Laudehr ihren Selbigen in einen Schuss reinwarf der einen erlösenden Freudentaumel losbrach und in seiner Intensität Neuville’s 1:0 gegen Polen 2006 oder Lahm’s 3:2 gegen Türkei 2008 in nichts nachstand (Hach, Philipp Lahm – Was für ein persönlicher Triumph damals auch für mich). Ausgerechnet Laudehr, die bereits im WM-Finale 2007 das erlösende 2:0 gegen Brasilien erzielte und damals, wie auch diesmal, einen epischen, Adrenalin-getränkten Torjubel hinlegte, der fast noch besser war als das Tor. Endlich! Frauenfußball?! Unsere Männerrunde kannte in diesem Moment nur noch reinen Fußball. „Ach, Laudehr ist eine Frau?! – Deutschland ist Deutschland!“. (Nicht mehr und nicht weniger.)

Einzig schade, dass das 1:0 nicht den Auftakt zu einer handfesten Packung für Nigeria bildete. Dann wäre der Abend durchaus Perfekt geworden und die Euphorie hätte keinen Dämpfer erlitten. Doch leider konnte Deutschland aus dem Tor kein neues Selbstbewusstsein gewinnen, womit die letzte halbe Stunde so verlief, als wäre das 1:0 nie gefallen. So zeichnete sich auch die Schlussphase durch üble Tretereien und lächerliche Schiri-Entscheidungen aus. Das einzige Highlight neben dem Tor war somit die Auswechslung von Birgit Prinz, die ihren Frust merkbar an ihrer Umwelt ausließ. Doch auch das sind die Geschichten die den Fußball ausmachen und an diesem Abend hoffentlich aus einigen Eventfans Fußballfans machte. In diesem Sinne – weiter so meine Damen! Ganz großes Tennis! Und bis zum Finale bitte auch ganz großer Fußball, sonst wirds knapp…

Tops:
Laudehr: Eroberte nicht nur mit ihrem Tor, sondern auch mit ihrem epischen Jubel die Sympathien und mit der Aussage am Ende, Schweinsteiger wäre ihr Vorbild, mein Herz.
Emotionen: Endlich Pfiffe. Will man Spannung und Emotionen oder einen ungefährdeten langweiligen Durchmarsch bis zum Titel?

Flops:
Schiri: Die WM scheint nicht nur für Nigeria beendet sondern auch für sie.
Prinz: Wann hat Silvia Neid endlich ein Einsehen und lässt die agile Popp von Anfang an auflaufen?

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2 Antworten zu WM’11 Gruppe A – 2. Spieltag

  1. lorapops schreibt:

    schade, dass der Sexismus dem Nationalismus weicht – eine Entwicklung lässt sich da nicht ausmachen

  2. pennapops schreibt:

    Irgendwann wird der jedes Jahr neu aufgelegte schwarz-rot-goldene Sommerhit auch das gleiche Schicksal erleiden wie Macarena, Aserejé, Dragostea-Din-Tei und und und…

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