WM’11 Am Spielfeldrand

Früher wurde ich beim Fußballspielen fotografiert, heute reicht es, wenn ich als Zuschauerin davor sitze: die Kamera ließ die ersten zehn Minuten kein Blitzlicht vergehen.

Dabei ging es nicht um meine Person an sich (schade), sondern um die Tatsache, dass ich und andere beim Public Viewing im Café (Eric) Cantona (Frauen-Fußball im Cantona – immerhin) saßen und das zweite „richtige“ Eröffnungsspiel der Frauen-Fußball-WM sehen wollten. Als ich ankam, schwirrte nämlich schon eine Klatschreporterin umher und nervte meine Sitznachbarinnen und -nachbarn mit suggestiven Fragen à la „Na, was haltet Ihr von Frauenfußball und den Lesben?“ zu zwei Frauen vor mir und „Was musstest Du denn machen, dass Dein Freund heute mitkam?“ zu einer Frau und einem Mann, die eigentlich auf FreundInnen warteten und auch kein Pärchen waren. „Was hat es Dich denn gekostet heute zu kommen?“ weiter zu dem hilflosen Typen, der nach antisexistischen Formulierungen rang um dieser Klatschreporterin klar zu machen, dass er nur Fußball gucken wolle. Als das Spiel begann zog sich die Klatschreporterin dann diverse Dinge in den Farben schwarz-rot-gold an und setzte sich neben mich um für ihre Fotografin zu posen, die (s.o.) den Finger nicht mehr vom Auslöser nahm. Die ersten 10 Minuten hielte ich mir also die Hand vor’s Gesicht um blendendes Blitzlicht auszuweichen und auch nicht ungefragt als Fotoobjekt herhalten zu müssen. Das stieß auf Unverständnis und Ärger bei Klatschreporterin und -fotografin, die mir versicherten man würde mich nicht erkennen, da es um die Menge ging. Zum Glück viel dann schon in der 9. Minute ein Tor und endlich konnten Bilder vom „Jubel“ geschossen werden, der, wie die Klatschreporterin lauthals feststellte, ja wohl sehr verhalten sei und hier auch keineR aufspringe (so what?!). Ich versuchte ihr dann zu vermitteln, dass doch jetzt genug Bilder gemacht seien und die Fotokamera weggepackt werden könne, das sahen beide nicht ein und nach einer Beschwerde bei den CafébetreiberInnen wurden sie dann raugeschmissen. Ergebnis ihres Schwindels „Berichts“ übrigens hier, (1. Bild = die dumme Kuh).

Aber auch so war das Fußballgucken im Cantona keine angenehme Runde, Biertischparolen, sexistische Sprüche waren während des Spiels Gang und Gebe. Andere Möglichkeiten zum Public Viewing gibt es wenige. Im Volkshaus dürfte es nicht besser sein und das Island zeigt keine Deutschlandsspiele. Das ist zwar nachvollziehbar, aber bringt mich und andere Damen-Fußball-Interessierte in Schwierigkeiten ein ungestörtes Plätzchen zum Fußballgucken der dt. DamenMannschaft zu finden.

Ungestört ist das Fußballgucken im Island auf jeden Fall; ich und fünf weitere Personen haben in aller Ruhe USA gegen Nordkorea verfolgen können – schade, dass selbst bei so einem Spiel keineR der Allierten- oder KommunismusfreundInnen sich Frauen-Fußball angucken kommt.

Gestern habe ich dann Brasilien gegen Australien zu Hause auf dem Stream versucht zu schauen, aber die Verbindung gab nur den kleinsten Webplayer her, sodass ich bei 489 x 276 Pixel nur wenig Fußball sah.

Heute spielt wieder das dt. Team und ich wünschte es gäbe eine Runde (gerne größer 2), die sich für Frauen-Fußball interessiert, etwas Ahnung davon hat oder Interesse hat sich diese anzueignen, vielleicht einen Fernseher besitzt und alkoholische wie nichtalkoholische Getränke genießen mag. Ich wäre gerne dabei!

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6 Antworten zu WM’11 Am Spielfeldrand

  1. pennapops schreibt:

    1. zum BILD der Klatschreporterin: bei Fotos die Lippen zu spitzen (duckface) wirkt nicht sehr sympathisch – siehe hier
    2. zum island: wer nicht wagt, der nicht gewinnt – da scheint mir die grundsätzliche ablehnung jeglicher schwarz-rot-goldener farben größer als die angst vor „ekelhaften Auswüchse des neuen „weltoffenen“ Deutschlands“ – braucht man eigentlich ein visum um auf die „insel“ zu kommen?

  2. pennapops schreibt:

    nachtrag: ist ja nicht so, dass ein erneutes duell gegen italien zu erwarten wäre und die damit verbundenen „rivalitäten“ erneut in form von einzelner besoffener personen sichtbar werden
    immerhin: italienische familien-gastronomiebetriebe existieren auch nach 2006 noch und wurden nicht verbrannt – erfreuen sich stattdessen weiterhin großer beliebtheit
    nordkorea scheint mir dagegen sehr willkommen zu sein…

  3. lorapops schreibt:

    ts bitta, penna ey

  4. Pingback: WM’11 Gruppe A – 2. Spieltag |

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