roots Radio

Eine infamere Werbung habe ich selten gesehen. So viel Ignoranz hat ein Flyer und das dahinter steckende Unternehmen selten ausgestrahlt. detektor.fm, ein Online-Radio ansässig in Leipzig, macht Werbung mit abgebildeter Postkarte und folgendem Text auf der Rückseite:

„detektor.fm ist die Zukunft des Radios: echt, bundesweit und im Netz. Anspruchsvoller Journalismus – Beiträge aus Politik, Wirtschaft und Kultur – moderne Popmusik und handverlesene Playlisten.
Denn Radio kann mehr.“

Ich hätte doch gerne einen Eimer für meinen Ekel. Hintergrund ist, dass in Leipzig und vor allem in Sachsen seit 1 1/2 Jahren die drei freien Radiosender (Radio Blau, coloradio, Radio T) wirklich vor dem Abschalten stehen und 2010 bereits eine mehrwöchige Zwangssendepause auf ihren Frequenzen hinnehmen mussten. Im Vorfeld wurden die Verträge für die Sende- und Leitungskosten nicht verlängert und Sachsens Politik scheint sich nicht mit der Änderung begünstigender Gesetze für die Privatsender auseinandersetzen zu wollen. Übrigens erhalten die drei freien Radios in Sachsen nichts von den GEZ-Gebühren. Verantwortungen werden hin und her geschoben.

Dass sich jetzt ein relativ neuer Online-Radiosender und auch noch Grimme-Online-Award-nominiert seiner Zukünftigkeit, Geilheit und was weiß ich nicht alles mit dem Abschalten von UKW profiliert, finde ich nicht nur niederträchtig, sondern äußert erbärmlich. Da der Grimme Online Award ein Publikumspreis ist, möchte ich dazu aufrufen nicht für detektor.fm zu stimmen (Link). Freie Radios sind wertvolle Institutionen, wo jedermann und jederfrau, egal welchen Alters, nichtkommerzielles Radio machen können. Die Strukturen sind demokratisch, transparent und nicht mit Vitamin B hierarchisch organisiert. Internetradio mag etwas Neues, mit neuen Entfaltungsmöglichkeiten sein, es muss aber nicht Altbewährtes und gut Funktionierendes verdrängen – schon gar nicht mit sprachverarmten Werbetexten.

Radioblau gibt es übrigens auch im Stream.

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Eine Antwort zu roots Radio

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