WM’11 – Leistungscheck Schland


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Am 26.06.11
ist es soweit – Das Eröffnungsspiel Schland – Kanada. Wird es der Auftakt zu einem weiteren Fußball-Sommermärchen? Wie schon 2010 als Schland bei der WM den 3. Platz holte, oder 2009 als die EM gewonnen wurde, 2008 als man sich nur Spanien geschlagen geben musste, 2007 wo man Brasilien im WM-Finale 2:0 schlug, 2006 schonmal den 3. Platz hole, 2005 den EM-Titel gewann usw…? Noch nie lag die Wettquote so niedrig für einen WM-Sieg Schlands. Wer darauf sein Geld verwettet bekommt mehr oder weniger seinen Einsatz gerade mal wieder ausbezahlt. Zurecht?! Nunja – die letzten 4 Testspiele vor der WM lassen auf nichts anderes schließen. Bilanz: 4 Siege – 15:0 Tore – und das gegen relativ hochkarätige Mannschaften wie Nordkorea, Italien, Niederlande und Norwegen. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf: 12 der 15 Tore fielen in der 2. Halbzeit – davon 11 erst ab der 60. Minute. Spricht dies für eine überlegene Fitness der deutschen Spielerinnen? Schlägt die Mannschaft eiskalt zu wenn der Gegnerin die Puste ausgeht? Eine Gemeinsamkeit bei allen 4 Spielen: in der 2. Halbzeit wurden jeweils 6 Spielerinnen ausgewechselt. Der neue Schwung brachte der Mannschaft am Ende klare Siege ein. Einziges Problem hierbei: bei der WM wird das Wechselkontigent maximal 3 betragen. Dann wäre es nicht mehr möglich zur Halbzeit die halbe Mannschaft gegen frische Spielerinnen auszutauschen. Umso wichtiger wird dann die Startaufstellung sein. Viel wurde ausprobiert – so könnte es am Ende ausgehen:
Abwehr: Leider wurde sie in der Vorbereitung kaum geprüft – bei so wenig Ballkontakten könnte man Nadine Angerer mangelnde Spielpraxis vorwerfen. Ob sich eine WM wie 2007 wiederholt als Schland Weltmeister wurde ohne ein einziges Gegentor während des ganzen Turniers zu kassieren? Bartusiak, Krahn und Peter dürften gesetzt sein, wurden bisher aber auch wenig geprüft. Wenn es eine Schwachstelle in der Mannschaft gibt, dann ist es die Innenverteidigung. Doch dazu müssen die Gegnerinnen erst einmal durchs Mittelfeld kommen.
Mittelfeld: Die Qual der Wahl für Neid. Jede Position ist mindestens doppelt gleichwertig besetzt. Laudehr und Garefrekes, die im Verein eher im Sturm spielen dürften im zentralen Mittelfeld gesetzt sein und dort dank ihrer eigentlich gelernten Position auch für Torgefahr sorgen. Kulig könnte von der Bank für neue Impulse sorgen. Auf den beiden Außenpositionen ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Bresonik scheint auf rechts gesetzt, doch könnte das Nachsehen gegen die stark aufspielende Okoyino da Mbabi haben, sollte kein Platz auf einer anderen Position für sie übrig bleiben. Links kämpfen Behringer, von den Mitspielerinnen unpassenderweise Mel B. genannt, und Bajramaj um einen Stammplatz. Unterschiedlicher könnten beide nicht sein. Behringer ist zuverlässig, physisch enorm stark und kann auch mal die Brechstange rausholen. Bajramaj dagegen, bei der letzten Wahl zur Weltfußballerin hinter Birgit Prinz auf Platz 3 gelandet, ist eine feinfühlige Künstlerin, technisch enorm versiert, kann für magische Momente sorgen, rennt sich bei ihren Dribblings aber oft fest.
Sturm: Die Positionen im Sturm sind am härtesten umkämpft. Die erfahrenen Spielerinnen Prinz und Grings zeigten in den Testspielen eher schwache Leistungen während Okoyino da Mbabi mit 3 und besonders Alexandra Popp mit 6 Toren überragten. Der Einsatz von Popp scheint sehr wahrscheinlich – wenige Spielerinnen auf der Welt strahlen momentan eine derartige Torgefahr und Kaltschnäuzigkeit aus. Frei nach dem Motte: einmal gepoppt – nie mehr gestoppt. Die große Frage: Was wird aus Birgit Prinz? Die langjährige Kapitänin erzielte kein einziges Tor in der Vorbereitung. Mit 33 Jahren scheint sie ihren Zenith überschritten zu haben und wirkt nicht mehr so dynamisch wie früher. Zudem zog sie sich auch noch eine Sprunggelenksverletzung zu. Deutliche Parallelen zur WM 2010 als Schland wie befreit groß aufspielte und durch schnellen Konterfußball begeisterte. Doch im Gegensatz zum Vorjahr verhindert eine Verletzung nicht die Teilnahme der Spielführerin. Ob sie der Mannschaft helfen wird oder sie unnötig ausbremst wird sich spätestens in der Vorrunde zeigen. Bei der momentanen Chancenverwertung erscheint ein 11:0 Auftaktsieg wie vor 4 Jahren gegen Argentinien mehr als unwahrscheinlich. Der WM-Titel wäre für Prinz somit der beste Zeitpunkt für ein Karriereende. Wenns am schönsten ist, sollte man aufhören und den Jüngeren das Feld überlassen. Prinz würde damit der Kapitänsbinde, im Gegensatz zu Anderen, gerecht werden.
Die große Unbekannte heißt die Stärke der Gegner. Neben Schland rechnen sich die USA und Brasilien Chancen auf den Titel aus. Ihre tatsächliche Stärke wird sich zeigen, spielen doch sämtliche Spielerinnen in ihren Heimatligen in einer Art Blase, die bei der WM durchaus platzen könnte und dabei entweder im Nichts verschwindet oder alle anderen nass macht. Der große Vorteil der europäischen Mannschaften dürfte der dieses Jahr von der UEFA eingeführte Champions-League Wettbewerb sein, der ein neues Level der Professionalität im europäischen Frauenfußball schaffte. Schland kann sich im Grunde also nur selbst schlagen. Sofern sie nicht dem öffentlichen Druck erliegen, im eigenen Land den Titel holen zu müssen und stattdessen besonders die jungen Spielerinnen ihren Spaß freien Lauf lassen, kann es am Ende somit nur auf der Fanmeile in Frankfurt mit dem WM Pokal enden.
Bleibt nur zu hoffen, dass die WM für ihren großartigen Sport in Erinnerung bleiben wird und nicht für die unzähligen Interviews von Alice Schwarzer bei Anne Will. Könnten die Beiden die Spielerinnen von Schland auf dem Mannschaftsfoto identifizieren? Wen interessierts – denn wie Franz Beckenbauer einst 1990 vor dem Finale gegen Argentinien sagte: „Geht’s raus und spuits Fußball“.

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